Salzfest in Lößnitz

Salz, das kostbare Gut, das heute nur noch wenige Cents kostet, aber in der Vergangenheit den Reichtum einiger Städte begründete und mehrte. Die Salzstadt Halle ist geschichtlich an das Salz gebunden, wovon die Brüderschaft der Halloren, die ehemaligen Salzwirker, im Thal (Tal) zu Halle zeugen. Doch es gibt nicht nur diese Präsenz, sondern auch weitere Vereine, so den Salzstadtclan e.V. und die „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“, die viel mit dem Salz zu tun haben.

Zur Salzherstellung gehört nun mal auch der Absatz.

Auf zwölf Straßen wurde das Salz in alle Himmelsrichtungen durch die sogenannten Salzgäste transportiert. Auf zwei bis vierrädrigen Wagen mit vier und mehr Gäulen ging es auf der Rannischen Straße zur wohl bekannten Salzkärrnerstraße auf verschiedenen Wegen bis nach Prag. Die Händler, in Halle Salzgäste genannt, trotzten den schlechten Straßen, den Fuhrten und Gebirgen, wo die Waren schon mal per Hand getragen werden musste, da die Wagen mit den Zugpferden den Anstieg nicht schafften. So stieg denn aber auch auf diesen Wegen der Preis durch Zoll und Einkehr in den vielen Ausspannen. In der Rannischen Straße 15 existierte eine solche Ausspanne mit dem Namen „Zu den drei Schwänen“., die die Salzgäste besuchten.  Es nimmt also nicht wunder, dass Erasmus von Halberstadt, die Theaterfigur des Salzstadtclans aus dem 15. Jahrhundert, in der modernen heutigen Zeit mit dem Verein „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“ nach Lößnitz zum Salzfest fuhr. In Halle zeigen die Halloren meist den Siedeprozeß mit Schausieden, es war mal schließlich ihre Arbeit. Doch sieden darf heute jeder, es gibt kein Gesetz oder sonstiges, dass jemanden davon ausschließt und schließlich macht es jeder in seiner Küche. So gehört Schausieden natürlich auch in das Repertoire des Vereins „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“. In Lößnitz fand es ein dankbares Publikum.

Gott sei Dank ging es nicht auf dem Pferdewagen 166 km nach Lößnitz, sondern bequem im Auto. Die kleine Stadt empfing uns gemütlich, überall sah man in den Straßen Leute an ihren Verkaufsbuden werkeln. Die ca. 8000 Einwohner zählende Stadt lag unter blauem Himmel fast noch im Schlaf, als der Verein „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“ sein Werkzeug an der großen Siedepfanne neben dem Rathaus auslud. Um 18:30 Uhr nach einem zähen Kampf mit der Technik, den letztlich der Präsident des Vereins „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“ mit großartiger Unterstützung der herbeigeeilten Techniker gewann, gab es für die Lößnitzer Zuhörer im Haus am Marktplatz einen Vortrag mit dem Titel „Der Salztransport und -Handel auf der alten Salzstraße sowie einige Moritaten aus alter Zeit.“ Vom vortragenden Halloren Bernd Bieler, der sich in dieser Stadt schon fast als alter Lößnitzer fühlt, bekam der Bürgermeister, Alexander Troll eine Originalplombe mit dem Siegelzeichen von Friedrich dem Großen, König von Preußen aus dem Jahre 1751 überreicht. Als ob das nicht genug wäre, kam noch eine Abhandlung über den Königlich-preußischen Postmeilenstein Nr. 211 dazu. Damit löste Bernd ein Versprechen gegenüber dem Bürgermeister ein. Seitdem sein Fuß 1995 das erste Mal Lößnitzer Boden betrat, war er viel Male schon hier und hatte einige Vorträge gehalten.

Am Ende des Vortrags gab es einen kleinen Film über den Salzhandel in Halle, wo Erasmus von Halberstadt die Leute gehörig übers Ohr haute. Schlitzohren gab es damals und gibt es heute ja genug. Der nicht ernstgemeinte Film wurde von Erasmus standesgemäß anmoderiert, der natürlich für den Bürgermeister auch die mittelalterliche Stadtführung und die mittelalterliche Fotogeschichte über den Salzhändler Erasmus von Halberstadt im Gepäck hatte. Da hat nur noch die Salzmagd gefehlt, die aber in Halle ihren 16. (Salz)Geburtstag feierte. Selbst Lößnitz hat seine Salzmägde an diesem Tag aufgestellt und gebührend gefeiert. So was ist, so scheint es fast, in Halle nicht möglich, weil man mit anderen Traditionen vollauf beschäftigt sind. Schließlich ist Halle Händelstadt und die Salztradition fest in anderen Händen.  Das Salzfest in Halle auf dem Marktplatz dagegen hat mit Salztraditionen nichts mehr am Hut. Es fanden ja deshalb auch zwei Salzfeste statt, auf dem Markt und in der Saline. Ein Schelm, wer arges dabei denkt.

Bernd Bieler hatte für die Lößnitzer aber noch etwas Besonderes mitgebracht. In mühevoller Kleinarbeit und langwieriger Recherche ist es ihm gelungen Material über eine verschwundene Postsäule aufzutreiben und so bekam der Bürgermeister Troll eine Mappe über den Königlich-Sächsischen Postmeilenstein Nr. 211. Der Präsident des Vereins „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“ setzte den Schlusspunkt mit einer großen Schokoladenhallorenkugel auf dem das Wappen von Lößnitz mit Zuckerguss darauf gespritzt war.

Am nächsten Tag brachte Detlef Hey, selbst Hallore und im Vorstand des Vereins „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“, sowie sein Sohn Hannes Schwabe und Manfred Lehnert die Sole zum Kochen. So mancher Passant schaute sich die Sache mal von Nahem an und Detlef erklärte geduldig und routiniert jedem den Salzsiedeprozess. Einem kleinen Jungen schenkte er einen von seinen Salzweihnachtssternen. Der strahlte nach ungläubigen Staunen und seine Mutter gleich mit. Die Salzkleinodien gab es bei den Hansedamen, die Salz aus Halle anboten in Säckchen oder gar zum selbst füllen. Erasmus von Halberstadt hat auch so einige Gespräche. Gestern noch in Gewandung aus dem 15. Jahrhundert, heute modern im Straßenoutfit, konnte er die Jahrhunderte überspringen und bot einem Kindergarten das Märchenbuch des Salzstadtclans e.V. an. Die Freude der Erzieherin war groß. Auch er, mit den Vorgängen des Salzsiedens wohlvertraut, führte manchen Besucher durch die Jahrhunderte.

Der Präsident des Vereins „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“ war da schon als Hallore in seinem Festkleid und dann auf der Bühne. So repräsentierte er dort den Verein „Alte Salzstraße Halle – Prag“ e.V. Schlussendlich gab es einen Umzug durch die Straßen über den Marktplatz von Lößnitz, mit Pferden, Pferdewagen und viel Mittelalter. In Halle fanden diese Festumzüge auch einst statt, wurden aber eingestellt. Der Streit entbrannte darum, wer als Erster vorn marschieren durfte. Die Stadt zerbricht noch mal an ihren Herrschaftsansprüchen.

Die Geschichte von Lößnitz ist schließlich lang und begann mit der urkundlichen Erwähnung 1238. So hatte der Festumzug ausreichend Möglichkeiten ein wenig aus dieser Geschichte zu zeigen Immerhin besaß die Stadt seit 1388 ein Salzprivileg und so mussten die Händler, die hier durchzogen, ihre Waren auch vor Ort feilbieten und an die Stadt etwas abführen. Es war genug, um eine mächtige Stadtmauer mit drei Türmen zu bauen.

Trotz der Hitze kam der Markt langsam in Gang, obwohl viele Händler, wohl wegen der langen Coronazeit fernblieben (oder fernbleiben mussten), wie man erzählte. Vom Salzstraßenstand mit Siedepfanne hörten man das Schreien der Ritterkämpfe auf dem Marktplatz. Fassbrause indes kühlte die trockenen Kehlen. So eine kleine Stadt kann schon viel bewegen, eine große Stadt wie Halle hat manchmal anderes zu tun.  Traditionen haben wir genug, auch Vereine, nur gibt es wohl da eine Art Rangfolge. So nimmt man sich von oben nach unten immer weniger wahr. Das verhindert manchmal Zusammenarbeit. Unsere Zusammenarbeit, der Verein „Alte Salzstraße Halle-Prag e.V.“ und Salzstadtclan e.V., Hanseverein und ein paar Halloren geben gern die Erfahrungen und das Wissen über die Geschichte dieser großartigen Stadt weiter und haben eine gute Schnittstelle, die noch Potenzial in sich birgt. So wird ein Halle-Lexikon, eine Halle-Chronik, ein Salzstraßenspiel „Mit dem Salz von Halle nach Prag“ gerade entwickelt. Ein kleiner Film (10 Teile) über die Salzproduktion, das Salzsieden, die Salzentstehung ist ebenfalls am Entstehen, mit Unterstützung der Saalesparkasse.

Bürgermeister Troll aus Lößnitz hörte wenigstens bei diesen Dingen sehr interessiert hin und nahm sich auch die Zeit dazu. Das allein finde ich schon bemerkenswert und hatte es so in Halle kaum erlebt. Das ist nur ausgewählten Kreisen vorbehalten.