MSW - Welten (Fotografie und Projekte)

© Sandy Wohlleben / Michael Waldow update: 22.05.18
Halle (Collage)
Porträt Sandy
Sandy und Micha bei der Arbeit
Es   war   einer   jener   herrlichen   Herbsttage,   die   einem   zum   Träumen   verleiten.   Hätte   ich   gern   getan, saß    aber    in    einem    Auto    und    fuhr    durch    den    Dölauer    Wald    bei    Halle.    Neben    mir    zog    sich    die    alte Bahnlinie    hin,    die    durch    einen    Verein    gerade    „renoviert“    wird.        Kein    Auto    auf    der    Starße,    bunte Blätter   und   das   Gefühl   durch   die   Unendlichkeit   zu   fahren,   dazu   der   Song   „far,   far   away“   von   Slade. Wunderbar.   Da   ich   gern   fotografiere   verleitete   es   mich   geradezu   mal   auszusteigen   und   ein   Fot   zu machen. An     einem     Übergang,     denauch     Waldläufer     querten     stellte     ich     meine Kamera    auf    eine    der    Bahnschwellen    und    machte    aus    dieser    Perspektive ein    Foto    von    der    Unendlichkeit.    Zu    Hause    schrieb    ich    auf    die    erste Schwelle    „Far,    far    away“    und    stellte    das    ganze    ins    Internet.    Und    dann ging   es   los.   Als   erstes   bekam   ich   eine   Belehrung,   das   es   verboten   ist   die Schienen   zu   betreten   und   entsprechende   Paragrafen   bekam   ich   zu   hören. Nun,     die     Bahnstrecke     wurde     ausgebessert,     war     aber     gesperrt     und niemand    hatte    seit    der    Einstellung    einen    Zug    gesehen,    abgesehen    von der gelegentlich dasteh-enden Maschine der Arbeiter. Ausserdem    stand    ich    auf    einem    aufgeschütteten    Bahnübergang.    Man    ließ    nicht    locker    und    mich wissen,   das   dies   kein   offizieller   Bahnübergang   ist,   von   Förstern   gemacht.   Auch   als   ich   den   Weg   und Übergang   auf   der   Karte   aus   dem   Internet   zeigte,   wurde   mir   erklärt   die   Stadt   habe   es   schon   aus   der Karte   entfernt.   Das   war   das   Vorgeplänkel,   jetzt   ging   es   erst   richtig   los.   Man   erzählte   mir   von   toten Menschen,   die   sich   auf   Gleise   warfen   und   Zugführern,   die   schockiert   sind   und   einer   verstieg   sich   in der   Meinung,   das   Bild   ist   aus   der   Sichtweise   eines   auf   den   Gleisen   liegenden   toten   Menschen.   Das war dann genau der Zeitpunkt wo ich keine Lust mehr hatte, diese Farce mitzuspielen. Das geblitzte Pferd Eines   Tages,   am   späten   Nachmittag,   begab   ich   mich   auf   die   Koppel   um   Pferde   zu   fotografieren.   Ich fokussierte   meine   Kamera   und   fuhr   einfach   über   die   Koppel,   das   Auge   am   Sucher,   um   ein   geeignetes Objekt   aufzunehmen.   Unvermittelt   tauchte   im   Sucher   vor   mir   der   Kopf   einer   schönen   Stute   auf.   Ich drückte    den    Auslöser.    Da    das    Tier    der    Kamera    das    Licht nahm,    klappte    diese    den    Blitz    automatisch    auf    und    löste ihn      aus.      Das      Tier      war      davon      nicht      im      mindesten beeindruckt.      Das      Foto      selbst      wurde      ein      gelungener Schnappschuß. Wochen        später        stellte        ich        das        Foto        in        einer Facebookgruppe    ein,    wo    sehr    viele    Fotografen    Mitglieder waren.    Es    war    soetwas    wie    mein    Einstiegsfoto.    Ich    hatte es   nur   wenig   bearbeitet   und   den   kleinen   weißen   Fleck   auf dem    Auge    nicht    so    recht    registriert.    Er    war    durch    den ausgelösten   Blitz   entstanden.   Was   danach   kam,   verschlug mir   die   Sprache.   Erst   wurde   ich   kritisiert,   weil   ich   ein   Blitz angeblich      bewußt      nahm.      Dann      traten      selbsternannte Tierschützer   auf   den   Plan,   die   mich   regelrecht   in   den   Boden   stampften.   Das   Tier   hätte   ich   geblendet und   ich   solle   die   Kamera   gegen   ein   Frittenbude   eintauschen,   das   waren   dann   noch   die   harmlosen Sätze.   Ein   weiteres   Foto   von   mir   von   einem   Mädchen,   das   aus   dem   Fenster   blickte,   wurde   gleich   mit verissen;   ob   ich   das   junge   Ding   zu   Tode   geblitzt   habe   und   so   weiter.   Jeder   Hinweis,   daß   das   Foto zufällig    entstand,    der    Blitz    automatisch    auslöste    und    das    Pferd    überhaupt    keine    Regung    zeigte, wurde   ignoriert   oder   besser   nicht   geglaubt.   Es   wurde   auf   Teufel   komm   heraus   behauptet,   es   wäre meine Absicht gewesen. Ich nahm nicht nur die Fotos von der Seite, sondern mich gleich auch. Entartete Fotos Wenn    man    Modelfotografie    macht,    kommt    man    an    Dessousfotos    eigentlich    kaum    vorbei.    Einmal durch   die   Stadt   gegangen,   sind   solche   Fotos   überall   präsent   und   stören   eigentlich   keinen   Menschen mehr.    Wir    sind    ja    aufgeklärt.    Das    betrifft    aber    nur    Fotos,    bei    denen    das    Model    nicht    persönlich bekannt   ist.   Andernfalls   kochen   die   Gerüchte   hoch   und   die   Fantasien   überschlagen   sich.   Das   Model gerät in Verruf und der Fotograf gleich mal mit, man weiß ja wie und was da abläuft. Eines   Tages   zeigte   ich   einer   Bekanntenrunde   ein   Dessousfoto   von   einem   19jährigen   Model.   Es   wurde von     den     älteren     Frauen     als     ästhetisch     und     gelungen     befunden.     Eine     der     Frauen     gab     auch unumwunden    zu,    mit    ihrem    Mann    zusammen    erotische    Filme    anzuschauen,    was    ein    zustimmendes Gelächter auslöste. Ich freute mich, dass mir jedenfalls ein ansprechendes Foto gelungen war. Wochen   später   wurde   ich   von   jemanden   angesprochen,   warum   ich   schmutzige   Fotos   herumzeige.   Ich war   Baff,   welche   schmutzigen   Fotos?   Ein   wenig   später,   nach   einer   intensiven   Fragestunde   dämmerte mir,     das     besagte     Frau,     die     die     Fotos     für     gut     befand,     nach     meinem     Weggang     sich     über     die Dessousfotos   aufregte.   Nun   ja,   sie   kannte   das   junge   Ding   und   schließlich   kann   man   sich   ja   denken, warum    ein    alter    Sack    (also    ich)    junge    Mädchen    in    eindeutige    Posen    fotografierte.    Typisch    Mann! Seitdem    vermeide    ich    Dessousfotos    im    Bekanntenkreis    zu    zeigen,    schon    gar    nicht    bei    Leuten,    die einen versauten Witz nach dem anderen erzählen. Da ist ja nichts dabei. Oder? Nackte Soldaten Mit   der   Sandy‘s   Tochter   machte   ich   einige   Kindermundfilme.   Ein   zehnjähriges   Mädchen   macht   sich darin   über   die   Erwachsenenwelt   lustig.   Dabei   spiele   ich   auch   gern   mit,   da   mir   die   Schauspielerei   ein klein    wenig    im    Blute    liegt.    Auch    das    kleine    Mädchen    spielte    oder    tanzte    schon    bei    öffentlichen Auftritten. Also drehten wir „Nackte Soldaten“, ein Kindermundwitz aus dem Internet. Der Inhalt: Kleines    Mädchen    liest    ein    Geschichtsbuch    und    fragt    den    befreundeten    Besuch,    der    sich    nach    dem Inhalt   erkundigt,   ob   die   Soldaten   zur   Zeit   Friedrichs   des   II.   nackt   waren.   Auf   die   erstaunte   Frage,   wie sie    darauf    komme,    liest    sie    vor.    „Die    Soldaten    zogen    aus,    um    …“    Dem    Besuch    dämmert,    das    er verarscht   wurde.   Das   Video   wurde   auf   dem   Kanal   der   jungen   Dame   mit   Einverständnis   der   Mutter, die im übrigen die Kamera führte, gestellt. Wir   wunderten   uns,   warum   ausgerechnet   dieses   Video   (von   ca.   19)   sehr   viele   Klicks   bekam,   führten es aber auf den Titel zurück, was eigentlich an sich schon Bände spricht. Nun    kam    es    aber,    dass    der    Lebensgefährte    seinen    Betrieb    umstrukturieren    musste,    was    natürlich nicht     jedem     passte,     sodaß     einige     Dienstleistungen     wegfallen     mussten.     Da     er     selbst     keine Angrifssfläche    bot,    versuchten    einige    Leute    eine    ganz    perfide    Tour.    Man    nahm    das    besagte    Video seiner    Lebensgefährtin    und    ihrer    Tochter,    um    bei    der    Polizei    und    beim    Jugendamt    vorstellig    zu werden.   Da   wurde   glatt   behauptet,   der   Besuch   sei   im   Schlüpfer   herumgelaufen.   Wahr   ist:   ich   (der Besucher)   hatte   eine   kurze   Hose   an,   was   klar   als   Jeans   identifiziert   werden   konnte.   Am   Drehtag   war es   schweinewarm   (36   Grad).   Das   Kind   hätte   in   Unterwäsche   auf   dem   Bett   gelegen.   Wahr   ist:   sie   hatte luftige Sommersachen an und auf dem mit einer Decke überzogenen Bett gelegen. Uns,    insbesondere    der    Mutter,        blieb    die    Luft    weg.    Leider    haben    wir    es    zu    spät    erfahren,    kennen auch   die   Namen   der   Verantwortlichen,   machen   aber   in   diesem   Fahrwasser   natürlich   nicht   mit.   Aber Tatsache    ist,    das    Menschen    unter    dem    Siegel    der    Anonymität    nicht    nur    dem    Lebensgefährten schaden   wollten,   sondern   billigend   in   Kauf   nahmen,   ein   Kind   in   Verruf   zu   bringen   und   zwei   weitere Unbeteiligte.    Immerhin    bin    ich    Lehrer    und    solche    Behauptungen    können    da    ganz    schön    ins    Auge gehen.    Gott    sei    Dank    war    jedem    normal    Sterblichen,    der    dies    Video    sah,    sofort    die    Harmlosigkeit klar. Und die Behörden scheinen das auch so gesehen zu haben. Die Mätresse Da   wir   beide   auch   in   der   Hallischen   Hanse   sind,   die   Hallische   Hansetraditionen   pflegt,   spielen   wir   in der Theatergruppe Quinta-X-Essentia nicht nur mittelalterliche Stücke, sondern machen auch   Fotogeschich-ten   aus   dieser   Zeit,   die   wir   ver-öffentlichten.   Eine   der Geschichten    hieß:    Wie    Erasmus    zu    einer    Mätresse    kam“,    bei    der    ein Kaufmann   sich   einbildete,   eine   wunderhübsche   Magd   kaufen   zu   können und   zu   seiner   Mätresse   zu   machen.   Die   Magd   war   aber   nicht   nur   blond und    hübsch,    sondern    auch    mit    allen    Wassern    gewaschen.    Sie    ließ    sich scheinbar   auf   das   Spiel   ein   und   machte   den   Kaufmann   betrunken,   nicht nur    vor    Glück,    sondern    im    wahrsten    Sinne    des    Wortes.    Der    Kaufmann unterschrieb     in     seinem     Rausch     einen     Vertrag,     die     der     Magd     die Beteiligung    an    einer    Taverne    und    ein    hübsches    Sümmchen    obendrein bot.    Von    der    „Liebe“    hatte    er    aufgrund    seines    Alkoholkonsums    nichts. Die   Geschichte   wurde   im   Mittelalterambiente   fotografiert   und   in   Comics umgewandelt.    Die    Bilder    waren    P6    geeignet,    kleine    Kinderchen    hätten vielleicht   die   Geschichte   nicht   ganz   verstanden.   Zu   jener   Zeit   hatte      aber die   Hauptdarstellerin   der   Magd   gerade   eine   neue   Beziehung   begonnen. Dafür    wurde    sie    beneidet    und    man    brauchte    etwas    zum    Tuscheln.    So fanden      es      einige      angebracht,      doch      bei      ihrer      neuen      Beziehung nachzufragen,   ob   er   den   wüßte,   das   sie   mit   noch   Einem   eine   Geschichte um    eine    Mätresse    machte.    Den    Inhalt    musste    man    freilich    nicht    lesen, weiß   man   doch   wie   solche   Weibsbilder   sind.   Gott   sei   Dank   konnte   die   neue   Beziehung   der   Haupt- darstellerin    darüber    nur    lachen.    Wir    wußten    aber    ab    diesem    Zeitpunkt,    dass    die    Neider    vor    gar nichts   zurückschrecken,   um   jemanden   bloßzustellen   und   ihnen   die   Folgen   mehr   als   nur   egal   sind. Wir nannten die Geschichte um in „Erasmus und Betlin“ und schon war es nicht mehr interessant. Die böse Foto Ich   hatte   mal   wieder   Lust   ein   Foto   besonders   zu   bearbeiten   und   mein   Blick   fiel   auf   die   Fotos   von Laura,   die   ich   schon   eine   Weile   kenne.   Sie   liebt   es,   sich   vor   dem   Fotografen   zu   bewegen   und   sie   mag auch   ausgefallene   Fotos.   Ich   selbst   stehe   nicht   besonders   auf   die   ultrascharfen   Hochglanzfotos   und habe manchmal meine eigenen Ansichten hinsichtlich der Fotobearbei-tung. Zwei   Fotos,   durch   Zufall   aufgenommen,   weil   Laura   sich   einfach   so   bewegte   und   ich   die   Kamera   drauf hielt    fand    ich    interessant    und    bearbeitet    sie    mit    bestimmten    Farbfilter    und    einer    „schmutzigen“ Textur,    sodass    durchaus    ein    seltsamer    Eindruck    entstand,    der    auch    verschiedene    inter-pretierbar war.     Eine     gewisse     Bewe-gungsunschärfe,     ebenfalls     bedingt     durch     den     Filter,     fanden     wir     nicht schlecht.   Dann   dachte   ich,   es   mal   in   Facebook   zu   zeigen,   mit   „durchschlagendem   Erfolg“.   Die   „Profi“- fotografen     fielen     darüber     er,     fanden     keine     Schärfe     im     Bild     und     eine     schlechte     technische Ausführung.   Gut,   das   war   noch   akzeptabel.   Aber   es   wurde   ärger,   als   ich   sagte,   das   Model   fand   es eigentlich     „scharf“.     Das     war     in     Anführungsstriche     gesetzt     und     eigentlich     ein     Wortspiel     zur kritisierten   Schärfe   des   Bildes.   In   ihrem   Wahn   kriegten   die   Profis   dieses   Wortspiel   gar   nicht   so   recht mit.   Einer   war   arrogant   genug,   dies   in   Frage   zu   stellen   („da   würde   ich   das   Model   selber   gern   fragen“, der   gute   Mann   hat   nicht   die   geringste   Ahnung,   was   er   sich   damit   antun   würde)   und   plötzlich   hatte man   Oberwasser   und   fiel   über   das   Bild   gnadenlos   her.   Da   waren   zu   viel   Haare   im   Mund,   das   Bild   war plötzlich   billig,   niemand   fragte   nach   dem   warum   und   wieso,   jeder   war   sich   nur   der   Scheußlichkeit des   Bildes   bewusst.   Ich   musste   das   weder   mir   noch   dem   Model   antun   und   verabschiedete   mich   von der   Seite.   Zur   Ehrenrettung   muss   ich   sagen,   dass   es   in   der   Meute   wenigstens   einen   gab,   der   sehr kritisch    war    aber    Fargen    stellte,    und    damit    war    er    völlig    akzeptabel.    Ansichten    sind    nun    mal verschieden.   Und   natürlich   bin   ich   mir   bewusst,   dass   meine   Art   zu   fotografieren   und   zu   bearbeiten sich     von     den     meisten     unterscheidet     und     nicht     jedermanns     Sache     sind     (und     natürlich     auch fehlerbehaftet    sein    kann).    Gott    sei    Dank    wie    ich    meine.    Kritik    ist    willkommen,    wenn    sie    nicht hässlich und abwertend wird. Zumindestens   erreichte   ich   das   Credo   eines   jeden   Fotografen.   Man   schaute   sich   das   Bild   länger   an, als die meisten anderen.
Das   böse   Bild,   mit   dem   grün und         blau         geschlagenen Model    und    schlechter    tech- nischer Qualität
Die    beiden    Bilder    hab    ich    gar    nicht    gezeigt,    die    wären    wohl    gnadenlos zerissen    worden,    passen    nicht    in    die    perfekte    Fotowelt,    zeigen    aber eigentlich viel von der Seele de Models.
Tote Menschen

MSW Welten (Fotografie und Projekte)

© Sandy Wohlleben / Michael Waldow                       update: 22.05.2018
Unglaubliche Fotogeschichten
Es    war    einer    jener    herrlichen    Herbsttage,    die einem    zum    Träumen    verleiten.    Hätte    ich    gern getan,    saß    aber    in    einem    Auto    und    fuhr    durch den   Dölauer   Wald   bei   Halle.   Neben   mir   zog   sich die    alte    Bahnlinie    hin,    die    durch    einen    Verein gerade     „renoviert“     wird.          Kein     Auto     auf     der Starße,    bunte    Blätter    und    das    Gefühl    durch    die Unendlichkeit   zu   fahren,   dazu   der   Song   „far,   far away“      von      Slade.      Wunderbar.      Da      ich      gern fotografiere     verleitete     es     mich     geradezu     mal auszusteigen und ein Fot zu machen. An       einem       Übergang, denauch            Waldläufer querten         stellte         ich meine    Kamera    auf    eine der    Bahnschwellen    und machte         aus         dieser Perspektive       ein       Foto von     der     Unendlichkeit. Zu     Hause     schrieb     ich auf    die    erste    Schwelle „Far,       far       away“       und stellte   das   ganze   ins   Internet.   Und   dann   ging   es los.   Als   erstes   bekam   ich   eine   Belehrung,   das   es verboten      ist      die      Schienen      zu      betreten      und entsprechende    Paragrafen    bekam    ich    zu    hören. Nun,    die    Bahnstrecke    wurde    ausgebessert,    war aber      gesperrt      und      niemand      hatte      seit      der Einstellung    einen    Zug    gesehen,    abgesehen    von der      gelegentlich      dasteh-enden      Maschine      der Arbeiter. Ausserdem   stand   ich   auf   einem   aufgeschütteten Bahnübergang.    Man    ließ    nicht    locker    und    mich wissen,    das    dies    kein    offizieller    Bahnübergang ist,   von   Förstern   gemacht.   Auch   als   ich   den   Weg und    Übergang    auf    der    Karte    aus    dem    Internet zeigte,     wurde     mir     erklärt     die     Stadt     habe     es schon     aus     der     Karte     entfernt.     Das     war     das Vorgeplänkel,    jetzt    ging    es    erst    richtig    los.    Man erzählte    mir    von    toten    Menschen,    die    sich    auf Gleise      warfen      und Zugführern,               die schockiert     sind     und einer   verstieg   sich   in der       Meinung,       das Bild       ist       aus       der Sichtweise    eines    auf den                        Gleisen liegenden               toten Menschen.    Das    war    dann    genau    der    Zeitpunkt wo     ich     keine     Lust     mehr     hatte,     diese     Farce mitzuspielen. Das geblitzte Pferd Eines    Tages,    am    späten    Nachmittag,    begab    ich mich   auf   die   Koppel   um   Pferde   zu   fotografieren. Ich    fokussierte    meine    Kamera    und    fuhr    einfach über    die    Koppel,    das    Auge    am    Sucher,    um    ein geeignetes     Objekt     aufzunehmen.     Unvermittelt tauchte     im     Sucher     vor     mir     der     Kopf     einer schönen   Stute   auf.   Ich   drückte   den   Auslöser.   Da das    Tier    der    Kamera    das    Licht    nahm,    klappte diese    den    Blitz    automatisch    auf    und    löste    ihn aus.     Das     Tier     war     davon     nicht     im     mindesten beeindruckt.       Das       Foto       selbst       wurde       ein gelungener Schnappschuß. Wochen     später     stellte     ich     das     Foto     in     einer Facebookgruppe    ein,    wo    sehr    viele    Fotografen Mitglieder     waren.     Es     war     soetwas     wie     mein Einstiegsfoto.   Ich   hatte   es   nur   wenig   bearbeitet und     den     kleinen     weißen     Fleck     auf     dem     Auge nicht     so     recht     registriert.     Er     war     durch     den ausgelösten    Blitz    entstanden.    Was    danach    kam, verschlug      mir      die      Sprache.      Erst      wurde      ich kritisiert,     weil     ich     ein     Blitz     angeblich     bewußt nahm.    Dann    traten    selbsternannte    Tierschützer auf    den    Plan,    die    mich    regelrecht    in    den    Boden stampften.   Das   Tier   hätte   ich   geblendet   und   ich solle       die       Kamera       gegen       ein       Frittenbude eintauschen,        das        waren        dann        noch        die harmlosen   Sätze.   Ein   weiteres   Foto   von   mir   von einem    Mädchen,    das    aus    dem    Fenster    blickte, wurde   gleich   mit   verissen;   ob   ich   das   junge   Ding zu     Tode     geblitzt     habe     und     so     weiter.     Jeder Hinweis,   daß   das   Foto   zufällig   entstand,   der   Blitz automatisch    auslöste    und    das    Pferd    überhaupt keine      Regung      zeigte,      wurde      ignoriert      oder besser   nicht   geglaubt.   Es   wurde   auf   Teufel   komm heraus      behauptet,      es      wäre      meine      Absicht gewesen.    Ich    nahm    nicht    nur    die    Fotos    von    der Seite, sondern mich gleich auch. Entartete Fotos Wenn    man    Modelfotografie    macht,    kommt    man an   Dessousfotos   eigentlich   kaum   vorbei.   Einmal durch     die     Stadt     gegangen,     sind     solche     Fotos überall     präsent     und     stören     eigentlich     keinen Menschen     mehr.     Wir     sind     ja     aufgeklärt.     Das betrifft    aber    nur    Fotos,    bei    denen    das    Model nicht   persönlich   bekannt   ist.   Andernfalls   kochen die        Gerüchte        hoch        und        die        Fantasien überschlagen    sich.    Das    Model    gerät    in    Verruf und   der   Fotograf   gleich   mal   mit,   man   weiß   ja   wie und was da abläuft. Eines   Tages   zeigte   ich   einer   Bekanntenrunde   ein Dessousfoto     von     einem     19jährigen     Model.     Es wurde   von   den   älteren   Frauen   als   ästhetisch   und gelungen    befunden.    Eine    der    Frauen    gab    auch unumwunden     zu,     mit     ihrem     Mann     zusammen erotische         Filme         anzuschauen,         was         ein zustimmendes     Gelächter     auslöste.     Ich     freute mich,     dass     mir     jedenfalls     ein     ansprechendes Foto gelungen war. Wochen       später       wurde       ich       von       jemanden angesprochen,      warum      ich      schmutzige      Fotos herumzeige.    Ich    war    Baff,    welche    schmutzigen Fotos?    Ein    wenig    später,    nach    einer    intensiven Fragestunde    dämmerte    mir,    das    besagte    Frau, die     die     Fotos     für     gut     befand,     nach     meinem Weggang    sich    über    die    Dessousfotos    aufregte. Nun      ja,      sie      kannte      das      junge      Ding      und schließlich   kann   man   sich   ja   denken,   warum   ein alter   Sack   (also   ich)   junge   Mädchen   in   eindeutige Posen      fotografierte.      Typisch      Mann!      Seitdem vermeide   ich   Dessousfotos   im   Bekanntenkreis   zu zeigen,    schon    gar    nicht    bei    Leuten,    die    einen versauten    Witz    nach    dem    anderen    erzählen.    Da ist ja nichts dabei. Oder? Nackte Soldaten Mit      der      Sandy‘s      Tochter      machte      ich      einige Kindermundfilme.      Ein      zehnjähriges      Mädchen macht     sich     darin     über     die     Erwachsenenwelt lustig.   Dabei   spiele   ich   auch   gern   mit,   da   mir   die Schauspielerei     ein     klein     wenig     im     Blute     liegt. Auch     das     kleine     Mädchen     spielte     oder     tanzte schon    bei    öffentlichen    Auftritten.    Also    drehten wir    „Nackte    Soldaten“,    ein    Kindermundwitz    aus dem Internet. Der Inhalt: Kleines    Mädchen    liest    ein    Geschichtsbuch    und fragt    den    befreundeten    Besuch,    der    sich    nach dem    Inhalt    erkundigt,    ob    die    Soldaten    zur    Zeit Friedrichs   des   II.   nackt   waren.   Auf   die   erstaunte Frage,    wie    sie    darauf    komme,    liest    sie    vor.    „Die Soldaten      zogen      aus,      um      …“      Dem      Besuch dämmert,     das     er     verarscht     wurde.     Das     Video wurde     auf     dem     Kanal     der     jungen     Dame     mit Einverständnis    der    Mutter,    die    im    übrigen    die Kamera führte, gestellt. Wir   wunderten   uns,   warum   ausgerechnet   dieses Video     (von     ca.     19)     sehr     viele     Klicks     bekam, führten     es     aber     auf     den     Titel     zurück,     was eigentlich an sich schon Bände spricht. Nun     kam     es     aber,     dass     der     Lebensgefährte seinen      Betrieb      umstrukturieren      musste,      was natürlich      nicht      jedem      passte,      sodaß      einige Dienstleistungen      wegfallen      mussten.      Da      er selbst      keine      Angrifssfläche      bot,      versuchten einige    Leute    eine    ganz    perfide    Tour.    Man    nahm das    besagte    Video    seiner    Lebensgefährtin    und ihrer     Tochter,     um     bei     der     Polizei     und     beim Jugendamt    vorstellig    zu    werden.    Da    wurde    glatt behauptet,       der       Besuch       sei       im       Schlüpfer herumgelaufen.     Wahr     ist:     ich     (der     Besucher) hatte    eine    kurze    Hose    an,    was    klar    als    Jeans identifiziert    werden    konnte.    Am    Drehtag    war    es schweinewarm     (36     Grad).     Das     Kind     hätte     in Unterwäsche   auf   dem   Bett   gelegen.   Wahr   ist:   sie hatte   luftige   Sommersachen   an   und   auf   dem   mit einer Decke überzogenen Bett gelegen. Uns,    insbesondere    der    Mutter,        blieb    die    Luft weg.     Leider     haben     wir     es     zu     spät     erfahren, kennen    auch    die    Namen    der    Verantwortlichen, machen     aber     in     diesem     Fahrwasser     natürlich nicht   mit.   Aber   Tatsache   ist,   das   Menschen   unter dem      Siegel      der      Anonymität      nicht      nur      dem Lebensgefährten       schaden       wollten,       sondern billigend    in    Kauf    nahmen,    ein    Kind    in    Verruf    zu bringen   und   zwei   weitere   Unbeteiligte.   Immerhin bin   ich   Lehrer   und   solche   Behauptungen   können da   ganz   schön   ins   Auge   gehen.   Gott   sei   Dank   war jedem    normal    Sterblichen,    der    dies    Video    sah, sofort   die   Harmlosigkeit   klar.   Und   die   Behörden scheinen das auch so gesehen zu haben. Die Mätresse Da   wir   beide   auch   in   der   Hallischen   Hanse   sind, die     Hallische     Hansetraditionen     pflegt,     spielen wir   in   der   Theatergruppe   Quinta-X-Essentia   nicht nur mittelalterliche Stücke, sondern machen auch    Fotogeschich-ten    aus    dieser    Zeit,    die    wir ver-öffentlichten.   Eine   der   Geschichten   hieß:   Wie Erasmus    zu    einer    Mätresse    kam“,    bei    der    ein Kaufmann    sich    einbildete,    eine    wunderhübsche Magd   kaufen   zu   können   und   zu   seiner   Mätresse zu    machen.    Die    Magd    war    aber    nicht    nur    blond und    hübsch,    sondern    auch    mit    allen    Wassern gewaschen.   Sie   ließ   sich   scheinbar   auf   das   Spiel ein   und   machte   den   Kaufmann   betrunken,   nicht nur    vor    Glück,    sondern    im    wahrsten    Sinne    des Wortes.    Der    Kaufmann    unterschrieb    in    seinem Rausch       einen       Vertrag,       die       der       Magd       die Beteiligung    an    einer    Taverne    und    ein    hübsches Sümmchen   obendrein   bot.   Von   der   „Liebe“   hatte er    aufgrund    seines    Alkoholkonsums    nichts.    Die Geschichte         wurde         im         Mittelalterambiente fotografiert     und     in     Comics     umgewandelt.     Die Bilder     waren     P6     geeignet,     kleine     Kinderchen hätten      vielleicht      die      Geschichte      nicht      ganz verstanden.      Zu      jener      Zeit      hatte            aber      die Hauptdarstellerin     der     Magd     gerade     eine     neue Beziehung    begonnen.    Dafür    wurde    sie    beneidet und     man     brauchte     etwas     zum     Tuscheln.     So fanden     es     einige     angebracht,     doch     bei     ihrer neuen      Beziehung      nachzufragen,      ob      er      den wüßte,    das    sie    mit    noch    Einem    eine    Geschichte um    eine    Mätresse    machte.    Den    Inhalt    musste man     freilich     nicht     lesen,     weiß     man     doch     wie solche    Weibsbilder    sind.    Gott    sei    Dank    konnte die       neue       Beziehung       der       Haupt-darstellerin darüber   nur   lachen.   Wir   wußten   aber   ab   diesem Zeitpunkt,      dass      die      Neider      vor      gar      nichts zurückschrecken,      um      jemanden      bloßzustellen und   ihnen   die   Folgen   mehr   als   nur   egal   sind.   Wir nannten     die     Geschichte     um     in     „Erasmus     und Betlin“ und schon war es nicht mehr interessant. Die böse Foto Ich   hatte   mal   wieder   Lust   ein   Foto   besonders   zu bearbeiten   und   mein   Blick   fiel   auf   die   Fotos   von Laura,    die    ich    schon    eine    Weile    kenne.    Sie    liebt es,   sich   vor   dem   Fotografen   zu   bewegen   und   sie mag    auch    ausgefallene    Fotos.    Ich    selbst    stehe nicht         besonders         auf         die         ultrascharfen Hochglanzfotos      und      habe      manchmal      meine eigenen    Ansichten    hinsichtlich    der    Fotobearbei- tung. Zwei     Fotos,     durch     Zufall     aufgenommen,     weil Laura     sich     einfach     so     bewegte     und     ich     die Kamera     drauf     hielt     fand     ich     interessant     und bearbeitet     sie     mit     bestimmten     Farbfilter     und einer   „schmutzigen“   Textur,   sodass   durchaus   ein seltsamer         Eindruck         entstand,         der         auch verschiedene    inter-pretierbar    war.    Eine    gewisse Bewe-gungsunschärfe,     ebenfalls     bedingt     durch den     Filter,     fanden     wir     nicht     schlecht.     Dann dachte    ich,    es    mal    in    Facebook    zu    zeigen,    mit „durchschlagendem          Erfolg“.          Die          „Profi“- fotografen      fielen      darüber      er,      fanden      keine Schärfe    im    Bild    und    eine    schlechte    technische Ausführung.   Gut,   das   war   noch   akzeptabel.   Aber es   wurde   ärger,   als   ich   sagte,   das   Model   fand   es eigentlich   „scharf“.   Das   war   in   Anführungsstriche gesetzt       und       eigentlich       ein       Wortspiel       zur kritisierten    Schärfe    des    Bildes.    In    ihrem    Wahn kriegten   die   Profis   dieses   Wortspiel   gar   nicht   so recht     mit.     Einer     war     arrogant     genug,     dies     in Frage   zu   stellen   („da   würde   ich   das   Model   selber gern     fragen“,     der     gute     Mann     hat     nicht     die geringste     Ahnung,     was     er     sich     damit     antun würde)   und   plötzlich   hatte   man   Oberwasser   und fiel    über    das    Bild    gnadenlos    her.    Da    waren    zu viel   Haare   im   Mund,   das   Bild   war   plötzlich   billig, niemand     fragte     nach     dem     warum     und     wieso, jeder   war   sich   nur   der   Scheußlichkeit   des   Bildes bewusst.    Ich    musste    das    weder    mir    noch    dem Model    antun    und    verabschiedete    mich    von    der Seite.   Zur   Ehrenrettung   muss   ich   sagen,   dass   es in    der    Meute    wenigstens    einen    gab,    der    sehr kritisch    war    aber    Fargen    stellte,    und    damit    war er     völlig     akzeptabel.     Ansichten     sind     nun     mal verschieden.   Und   natürlich   bin   ich   mir   bewusst, dass       meine       Art       zu       fotografieren       und       zu bearbeiten    sich    von    den    meisten    unterscheidet und   nicht   jedermanns   Sache   sind   (und   natürlich auch    fehlerbehaftet    sein    kann).    Gott    sei    Dank wie    ich    meine.    Kritik    ist    willkommen,    wenn    sie nicht hässlich und abwertend wird. Zumindestens     erreichte     ich     das     Credo     eines jeden     Fotografen.     Man     schaute     sich     das     Bild länger an, als die meisten anderen.
Das      böse      Bild,      mit dem       grün-und       blau geschlagenen        Model und     schlechter     tech- nischer Qualität
Die    beiden    Bilder    hab    ich    gar    nicht    gezeigt,    die    wären wohl    gnadenlos    zerissen    worden,    passen    nicht    in    die perfekte    Fotowelt,    zeigen    aber    eigentlich    viel    von    der Seele de Models.
Tote Menschen