MSW - Welten (Fotografie und Projekte)

© Sandy Wohlleben / Michael Waldow update: 15.07.18
Halle (Collage)
Porträt Sandy
Sandy und Micha bei der Arbeit
Es     war     einer     jener     herrlichen     Herbsttage,     die     einem     zum     Träumen verleiten.   Hätte   ich   gern   getan,   saß   aber   in   einem   Auto   und   fuhr   durch den    Dölauer    Wald    bei    Halle.    Neben    mir    zog    sich    die    alte    Bahnlinie    hin, die   durch   einen   Verein   gerade   „renoviert“   wird.      Kein   Auto   auf   der   Straße, bunte   Blätter   und   das   Gefühl   durch   die   Unendlichkeit   zu   fahren,   dazu   der Song    „Far,    far    away“    von    Slade.    Wunderbar!    Da    ich    gern    fotografiere, verleitete es mich dazu mal auszusteigen und ein Foto zu machen. An    einem    Übergang,    den    auch    Waldläufer    querten,    stellte    ich    meine Kamera    auf    eine    der    Bahnschwellen    und    machte    aus    dieser    Perspektive ein    Foto    von    der    Unendlichkeit.    Zu    Hause    schrieb    ich    auf    die    erste    Schwelle    „Far,    far    away“    und stellte   das   ganze   ins   Internet.   Und   dann   ging   es   los.   Als   erstes   bekam   ich   eine   Belehrung,   das   es verboten   ist   die   Schienen   zu   betreten.   Als   zweites   bekam   ich   entsprechende   Paragrafen   zu   hören. Nun,   die   Bahnstrecke   wurde   ausgebessert,   war   aber   gesperrt   und   niemand   hatte   seit   der   Einstellung einen Zug gesehen, abgesehen von gelegentlich dastehenden Maschinen der Arbeiter. Ausserdem    stand    ich    auf    einem    aufgeschütteten    Bahnübergang.    Man    ließ    nicht    locker    und    mich wissen,   das   dies   kein   offizieller   Bahnübergang   ist,   sondern   von   Förstern   gemacht.   Auch   als   ich   den Weg   und   Übergang   auf   der   Karte   aus   dem   Internet   zeigte,   wurde   mir   erklärt,   die   Stadt   habe   es   schon aus   der   Karte   entfernt.   Das   war   das   Vorgeplänkel,   jetzt   ging   es   erst   richtig   los.   Man   erzählte   mir   von toten   Menschen,   die   sich   auf   Gleise   warfen   und   Zugführern,   die   schockiert   sind   und   einer   verstieg sich     in     der     Meinung,     das     Bild     ist     aus     der     Sichtweise     eines     auf     den     Gleisen     liegenden     toten Menschen.     Das     war     dann     genau     der     Zeitpunkt,     wo     ich     keine     Lust     mehr     hatte,     diese     Farce mitzuspielen. Das geblitzte Pferd Eines   Tages,   am   späten   Nachmittag,   begab   ich   mich   auf   die   Koppel,   um   Pferde   zu   fotografieren.   Ich fokussierte   meine   Kamera   und   fuhr   einfach   über   die   Koppel,   das   Auge   am   Sucher,   um   ein   geeignetes Objekt   aufzunehmen.   Unvermittelt   tauchte   im   Sucher   der   Kopf   einer   schönen   Stute   auf.   Ich   drückte den    Auslöser.    Da    das    Tier    der    Kamera    das    Licht    nahm, klappte    diese    den    Blitz    automatisch    auf    und    löste    ihn aus.   Das   Tier   war   davon   nicht   im   mindesten   beeindruckt. Das Foto selbst wurde ein gelungener Schnappschuß. Wochen     später     stellte     ich     das     Foto     in     einer     Face- bookgruppe     ein,     wo     sehr     viele     Fotografen     Mitglieder waren.   Es   war   soetwas   wie   mein   Einstiegsfoto.   Ich   hatte es    nur    wenig    bearbeitet    und    den    kleinen    weißen    Fleck auf    dem    Auge    nicht    so    recht    registriert.    Er    war    durch den     ausgelösten     Blitz     entstanden.     Was     danach     kam, verschlug   mir   die   Sprache.   Erst   wurde   ich   kritisiert,   weil ich     ein     Blitz     angeblich     bewußt     nahm.     Dann     traten selbsternannte     Tierschützer     auf     den     Plan,     die     mich regelrecht    in    den    Boden    stampften.    Das    Tier    hätte    ich geblendet    und    ich    solle    die    Kamera    gegen    ein    Frittenbude    eintauschen,    das    waren    dann    noch    die harmlosesten    Sätze.    Ein    weiteres    Foto,    das    ich    von    einem    verträumten    Mädchen    machte,    wurde gleich   mit   verissen;   ob   ich   das   junge   Ding   zu   Tode   geblitzt   habe   und   so   weiter.   Jeder   Hinweis,   daß das    Foto    zufällig    entstand,    der    Blitz    automatisch    auslöste    und    das    Pferd    überhaupt    keine    Regung zeigte,   wurde   ignoriert   oder   besser   nicht   geglaubt.   Es   wurde   auf   Teufel   komm   heraus   behauptet,   es wäre meine Absicht gewesen. Ich nahm nicht nur die Fotos von der Seite, sondern mich gleich auch. Entartete Fotos Wenn    man    Modelfotografie    macht,    kommt    man    an    Dessousfotos    eigentlich    kaum    vorbei.    Einmal durch   die   Stadt   gegangen,   sind   solche   Fotos   überall   präsent   und   stören   eigentlich   keinen   Menschen mehr.    Wir    sind    ja    aufgeklärt.    Das    betrifft    aber    nur    Fotos,    bei    denen    das    Model    nicht    persönlich bekannt   ist.   Andernfalls   kochen   die   Gerüchte   hoch   und   die   Fantasien   überschlagen   sich.   Das   Model gerät in Verruf und der Fotograf gleich mal mit, man weiß ja wie und was da abläuft. Eines   Tages   zeigte   ich   einer   Bekanntenrunde   ein   Dessousfoto   von   einem   19jährigen   Model.   Es   wurde von     den     älteren     Frauen     als     ästhetisch     und     gelungen     befunden.     Eine     der     Frauen     gab     auch unumwunden    zu,    mit    ihrem    Mann    zusammen    erotische    Filme    anzuschauen,    was    ein    zustimmendes Gelächter auslöste. Ich freute mich, dass mir jedenfalls ein ansprechendes Foto gelungen war. Wochen   später   wurde   ich   von   jemanden   angesprochen,   warum   ich   schmutzige   Fotos   herumzeige.   Ich war   Baff,   welche   schmutzigen   Fotos?   Ein   wenig   später,   nach   einer   intensiven   Fragestunde   dämmerte mir,     das     besagte     Frau,     die     die     Fotos     für     gut     befand,     nach     meinem     Weggang     sich     über     die Dessousfotos   aufregte.   Nun   ja,   sie   kannte   das   junge   Ding   und   schließlich   kann   man   sich   ja   denken, warum    ein    alter    Sack    (also    ich)    junge    Mädchen    in    eindeutige    Posen    fotografierte.    Typisch    Mann! Seitdem    vermeide    ich    Dessousfotos    im    Bekanntenkreis    zu    zeigen,    schon    gar    nicht    bei    Leuten,    die einen versauten Witz nach dem anderen erzählen. Da ist ja nichts dabei. Oder? Nackte Soldaten Mit   der   Sandy‘s   Tochter   machte   ich   einige   Kindermundfilme.   Ein   zehnjähriges   Mädchen   macht   sich darin   über   die   Erwachsenenwelt   lustig.   Dabei   spiele   ich   auch   gern   mit,   da   mir   die   Schauspielerei   ein klein    wenig    im    Blute    liegt.    Auch    das    kleine    Mädchen    spielte    oder    tanzte    schon    bei    öffentlichen Auftritten. Also drehten wir „Nackte Soldaten“, ein Kindermundwitz aus dem Internet. Der Inhalt: Kleines    Mädchen    liest    ein    Geschichtsbuch    und    fragt    den    befreundeten    Besuch,    der    sich    nach    dem Inhalt   erkundigt,   ob   die   Soldaten   zur   Zeit   Friedrichs   des   II.   nackt   waren.   Auf   die   erstaunte   Frage,   wie sie    darauf    komme,    liest    sie    vor.    „Die    Soldaten    zogen    aus,    um    …“    Dem    Besuch    dämmert,    das    er verarscht   wurde.   Das   Video   wurde   auf   dem   Kanal   der   jungen   Dame   mit   Einverständnis   der   Mutter, die im übrigen die Kamera führte, gestellt. Wir   wunderten   uns,   warum   ausgerechnet   dieses   Video   (von   ca.   19)   sehr   viele   Klicks   bekam,   führten es aber auf den Titel zurück, was eigentlich an sich schon Bände spricht. Nun    kam    es    aber,    dass    der    Lebensgefährte    seinen    Betrieb    umstrukturieren    musste,    was    natürlich nicht     jedem     passte,     sodaß     einige     Dienstleistungen     wegfallen     mussten.     Da     er     selbst     keine Angrifssfläche    bot,    versuchten    einige    Leute    eine    ganz    perfide    Tour.    Man    nahm    das    besagte    Video seiner    Lebensgefährtin    und    ihrer    Tochter,    um    bei    der    Polizei    und    beim    Jugendamt    vorstellig    zu werden.   Da   wurde   glatt   behauptet,   der   Besuch   sei   im   Schlüpfer   herumgelaufen.   Wahr   ist:   ich   (der Besucher)   hatte   eine   kurze   Hose   an,   was   klar   als   Jeans   identifiziert   werden   konnte.   Am   Drehtag   war es   schweinewarm   (36   Grad).   Das   Kind   hätte   in   Unterwäsche   auf   dem   Bett   gelegen.   Wahr   ist:   sie   hatte luftige Sommersachen an und auf dem mit einer Decke überzogenen Bett gelegen. Uns,    insbesondere    der    Mutter,        blieb    die    Luft    weg.    Leider    haben    wir    es    zu    spät    erfahren,    kennen auch   die   Namen   der   Verantwortlichen,   machen   aber   in   diesem   Fahrwasser   natürlich   nicht   mit.   Aber Tatsache    ist,    das    Menschen    unter    dem    Siegel    der    Anonymität    nicht    nur    dem    Lebensgefährten schaden   wollten,   sondern   billigend   in   Kauf   nahmen,   ein   Kind   in   Verruf   zu   bringen   und   zwei   weitere Unbeteiligte.    Immerhin    bin    ich    Lehrer    und    solche    Behauptungen    können    da    ganz    schön    ins    Auge gehen.    Gott    sei    Dank    war    jedem    normal    Sterblichen,    der    dies    Video    sah,    sofort    die    Harmlosigkeit klar. Und die Behörden scheinen das auch so gesehen zu haben. Die Mätresse Da   wir   beide   auch   in   der   Hallischen   Hanse   sind,   die   Hallische   Hanse- traditionen   pflegt,   spielen   wir   in   der   Theatergruppe   Quinta-X-Essentia nicht nur mittelalterliche Stücke, sondern machen auch    Fotogeschich-ten    aus    dieser    Zeit,    die    wir    ver-öffentlichten.    Eine der   Geschichten   hieß:   Wie   Erasmus   zu   einer   Mätresse   kam“,   bei   der   ein Kaufmann   sich   einbildete,   eine   wunderhübsche   Magd   kaufen   zu   können und   zu   seiner   Mätresse   zu   machen.   Die   Magd   war   aber   nicht   nur   blond und   hübsch,   sondern   auch   mit   allen   Wassern   gewaschen.   Sie   ließ   sich scheinbar   auf   das   Spiel   ein   und   machte   den   Kaufmann   betrunken,   nicht nur   vor   Glück,   sondern   im   wahrsten   Sinne   des   Wortes.   Der   Kaufmann unterschrieb     in     seinem     Rausch     einen     Vertrag,     die     der     Magd     die Beteiligung    an    einer    Taverne    und    ein    hübsches    Sümmchen    obendrein bot.   Von   der   „Liebe“   hatte   er   aufgrund   seines   Alkoholkonsums   nichts. Die     Geschichte     wurde     im     Mittelalterambiente     fotografiert     und     in Comics   umgewandelt.   Die   Bilder   waren   P6   geeignet,   kleine   Kinderchen hätten    vielleicht    die    Geschichte    nicht    ganz    verstanden.    Zu    jener    Zeit hatte            aber      die      Hauptdarstellerin      der      Magd      gerade      eine      neue Beziehung   begonnen.   Dafür   wurde   sie   beneidet   und   man   brauchte   etwas   zum   Tuscheln.   So   fanden es   einige   angebracht,   doch   bei   ihrer   neuen   Beziehung   nachzufragen,   ob   er   den   wüßte,   das   sie   mit noch   Einem   eine   Geschichte   um   eine   Mätresse   machte.   Den   Inhalt   musste   man   freilich   nicht   lesen, weiß   man   doch   wie   solche   Weibsbilder   sind.   Gott   sei   Dank   konnte   die   neue   Beziehung   der   Haupt- darstellerin    darüber    nur    lachen.    Wir    wußten    aber    ab    diesem    Zeitpunkt,    dass    die    Neider    vor    gar nichts   zurückschrecken,   um   jemanden   bloßzustellen   und   ihnen   die   Folgen   mehr   als   nur   egal   sind. Wir nannten die Geschichte um in „Erasmus und Betlin“ und schon war es nicht mehr interessant. Die böse Foto Ich   hatte   mal   wieder   Lust   ein   Foto   besonders   zu   bearbeiten   und   mein   Blick   fiel   auf   die   Serie   von Laura,   die   ich   schon   eine   Weile   kannte.   Sie   liebt   es,   sich   vor   dem   Fotografen   zu   bewegen   und   sie mag   auch   ausgefallene   Fotos.   Ich   selbst   stehe   nicht   besonders   auf   die   ultrascharfen   Hochglanzfotos und habe manchmal meine eigenen Ansichten hinsichtlich der Fotobearbei-tung. Zwei    Fotos,    durch    Zufall    aufgenommen,    weil    Laura    so    agierte,    wie    sie    wollte    und    ich    die    Kamera drauf     hielt,     fand     ich     interessant     und     bearbeitet     sie     mit     bestimmten     Farbfilter     und     einer „schmutzigen“    Textur,    sodass    durchaus    ein    seltsamer    Eindruck    entstand,    der    auch    verschiedene interpretierbar   war.   Eine   gewisse   Bewegungsunschärfe,   ebenfalls   bedingt   durch   den   Filter,   fanden ich   nicht   schlecht.   Dann   dachte   ich,   es   mal   in   Facebook   zu   zeigen,   mit   „durchschlagendem   Erfolg“. Die     „Profi“-fotografen     fielen     darüber     her,     fanden     keine     Schärfe     im     Bild     und     eine     schlechte technische   Ausführung.   Gut,   das   war   noch   akzeptabel.   Aber   es   wurde   ärger,   als   ich   sagte,   das   Model fand   es   eigentlich   „scharf“.   Das   war   in   Anführungsstriche   gesetzt   und   eigentlich   ein   Wortspiel   zur kritisierten   Schärfe   des   Bildes.   In   ihrem   Wahn   kriegten   die   Profis   dieses   Wortspiel   gar   nicht   so   recht mit.   Einer   war   arrogant   genug,   dies   in   Frage   zu   stellen   („da   würde   ich   das   Model   selber   gern   fragen“, der   gute   Mann   hat   nicht   die   geringste   Ahnung,   was   er   sich   damit   antun   würde)   und   plötzlich   hatte man   Oberwasser   und   fiel   über   das   Bild   gnadenlos   her.   Da   waren   zu   viel   Haare   im   Mund,   das   Bild   war plötzlich   billig,   niemand   fragte   nach   dem   warum   und   wieso,   jeder   war   sich   nur   der   Scheußlichkeit des   Bildes   bewusst.   Ich   musste   das   weder   mir   noch   dem   Model   antun   und   verabschiedete   mich   von der   Seite.   Zur   Ehrenrettung   muss   ich   sagen,   dass   es   in   der   Meute   wenigstens   einen   gab,   der   sehr kritisch    war,    aber    Fragen    stellte,    und    damit    war    er    völlig    akzeptabel.    Ansichten    sind    nun    mal verschieden.   Und   natürlich   bin   ich   mir   bewusst,   dass   meine   Art   zu   fotografieren   und   zu   bearbeiten sich     von     den     meisten     unterscheidet     und     nicht     jedermanns     Sache     sind     (und     natürlich     auch fehlerbehaftet    sein    kann).    Gott    sei    Dank    wie    ich    meine.    Kritik    ist    willkommen,    wenn    sie    nicht hässlich und abwertend wird. Zumindestens   erreichte   ich   das   Credo   eines   jeden   Fotografen.   Man   schaute   sich   das   Bild   länger   an, als die meisten anderen.
Das   böse   Bild,   mit   dem   grün und         blau         geschlagenen Model    und    schlechter    tech- nischer Qualität
Die    beiden    Bilder    hab    ich    gar    nicht    gezeigt,    die    wären    wohl    gnadenlos zerissen    worden,    passen    nicht    in    die    perfekte    Fotowelt,    zeigen    aber eigentlich viel von der Seele de Models.
Tote Menschen

MSW Welten (Fotografie und Projekte)

© Sandy Wohlleben / Michael Waldow                       update: 15.07.2018
Unglaubliche Fotogeschichten
Es     war     einer     jener     herrlichen     Herbsttage,     die einem     zum     Träumen     verleiten.     Hätte     ich     gern getan,    saß    aber    in    einem    Auto    und    fuhr    durch den    Dölauer    Wald    bei    Halle.    Neben    mir    zog    sich die    alte    Bahnlinie    hin,    die    durch    einen    Verein gerade     „renoviert“     wird.          Kein     Auto     auf     der Straße,    bunte    Blätter    und    das    Gefühl    durch    die Unendlichkeit   zu   fahren,   dazu   der   Song   „Far,   far away“      von      Slade.      Wunderbar!      Da      ich      gern fotografiere,       verleitete       es       mich       dazu       mal auszusteigen und ein Foto zu machen. An      einem      Übergang, den      auch      Waldläufer querten,       stellte       ich meine   Kamera   auf   eine der            Bahnschwellen und   machte   aus   dieser Perspektive      ein      Foto von    der    Unendlichkeit. Zu     Hause     schrieb     ich auf    die    erste    Schwelle „Far,   far   away“   und   stellte   das   ganze   ins   Internet. Und   dann   ging   es   los.   Als   erstes   bekam   ich   eine Belehrung,    das    es    verboten    ist    die    Schienen    zu betreten.    Als    zweites    bekam    ich    entsprechende Paragrafen   zu   hören.   Nun,   die   Bahnstrecke   wurde ausgebessert,     war     aber     gesperrt     und     niemand hatte     seit     der     Einstellung     einen     Zug     gesehen, abgesehen         von         gelegentlich         dastehenden Maschinen der Arbeiter. Ausserdem    stand    ich    auf    einem    aufgeschütteten Bahnübergang.    Man    ließ    nicht    locker    und    mich wissen,    das    dies    kein    offizieller    Bahnübergang ist,    sondern    von    Förstern    gemacht.    Auch    als    ich den    Weg    und    Übergang    auf    der    Karte    aus    dem Internet   zeigte,   wurde   mir   erklärt,   die   Stadt   habe es    schon    aus    der    Karte    entfernt.    Das    war    das Vorgeplänkel,    jetzt    ging    es    erst    richtig    los.    Man erzählte    mir    von    toten    Menschen,    die    sich    auf Gleise     warfen     und     Zugführern,     die     schockiert sind   und   einer   verstieg   sich   in   der   Meinung,   das Bild   ist   aus   der   Sichtweise   eines   auf   den   Gleisen liegenden    toten    Menschen.    Das    war    dann    genau der     Zeitpunkt,     wo     ich     keine     Lust     mehr     hatte, diese Farce mitzuspielen. Das geblitzte Pferd Eines          Tages,          am späten        Nachmittag, begab     ich     mich     auf die          Koppel,          um Pferde                              zu fotografieren.            Ich fokussierte            meine Kamera        und        fuhr einfach   über   die   Koppel,   das   Auge   am   Sucher,   um ein   geeignetes   Objekt   aufzunehmen.   Unvermittelt tauchte    im    Sucher    der    Kopf    einer    schönen    Stute auf.    Ich    drückte    den    Auslöser.    Da    das    Tier    der Kamera    das    Licht    nahm,    klappte    diese    den    Blitz automatisch   auf   und   löste   ihn   aus.   Das   Tier   war davon   nicht   im   mindesten   beeindruckt.   Das   Foto selbst wurde ein gelungener Schnappschuß. Wochen   später   stellte   ich   das   Foto   in   einer   Face- bookgruppe       ein,       wo       sehr       viele       Fotografen Mitglieder     waren.     Es     war     soetwas     wie     mein Einstiegsfoto.    Ich    hatte    es    nur    wenig    bearbeitet und   den   kleinen   weißen   Fleck   auf   dem   Auge   nicht so   recht   registriert.   Er   war   durch   den   ausgelösten Blitz   entstanden.   Was   danach   kam,   verschlug   mir die   Sprache.   Erst   wurde   ich   kritisiert,   weil   ich   ein Blitz      angeblich      bewußt      nahm.      Dann      traten selbsternannte     Tierschützer     auf     den     Plan,     die mich   regelrecht   in   den   Boden   stampften.   Das   Tier hätte     ich     geblendet     und     ich     solle     die     Kamera gegen     ein     Frittenbude     eintauschen,     das     waren dann    noch    die    harmlosesten    Sätze.    Ein    weiteres Foto,    das    ich    von    einem    verträumten    Mädchen machte,    wurde    gleich    mit    verissen;    ob    ich    das junge    Ding    zu    Tode    geblitzt    habe    und    so    weiter. Jeder   Hinweis,   daß   das   Foto   zufällig   entstand,   der Blitz       automatisch       auslöste       und       das       Pferd überhaupt    keine    Regung    zeigte,    wurde    ignoriert oder    besser    nicht    geglaubt.    Es    wurde    auf    Teufel komm    heraus    behauptet,    es    wäre    meine    Absicht gewesen.    Ich    nahm    nicht    nur    die    Fotos    von    der Seite, sondern mich gleich auch. Entartete Fotos Wenn   man   Modelfotografie   macht,   kommt   man   an Dessousfotos      eigentlich      kaum      vorbei.      Einmal durch     die     Stadt     gegangen,     sind     solche     Fotos überall     präsent     und     stören     eigentlich     keinen Menschen     mehr.     Wir     sind     ja     aufgeklärt.     Das betrifft     aber     nur     Fotos,     bei     denen     das     Model nicht    persönlich    bekannt    ist.    Andernfalls    kochen die         Gerüchte         hoch         und         die         Fantasien überschlagen   sich.   Das   Model   gerät   in   Verruf   und der   Fotograf   gleich   mal   mit,   man   weiß   ja   wie   und was da abläuft. Eines   Tages   zeigte   ich   einer   Bekanntenrunde   ein Dessousfoto     von     einem     19jährigen     Model.     Es wurde   von   den   älteren   Frauen   als   ästhetisch   und gelungen    befunden.    Eine    der    Frauen    gab    auch unumwunden     zu,     mit     ihrem     Mann     zusammen erotische          Filme          anzuschauen,          was          ein zustimmendes      Gelächter      auslöste.      Ich      freute mich,   dass   mir   jedenfalls   ein   ansprechendes   Foto gelungen war. Wochen       später       wurde       ich       von       jemanden angesprochen,      warum      ich      schmutzige      Fotos herumzeige.     Ich     war     Baff,     welche     schmutzigen Fotos?    Ein    wenig    später,    nach    einer    intensiven Fragestunde   dämmerte   mir,   das   besagte   Frau,   die die   Fotos   für   gut   befand,   nach   meinem   Weggang sich    über    die    Dessousfotos    aufregte.    Nun    ja,    sie kannte   das   junge   Ding   und   schließlich   kann   man sich    ja    denken,    warum    ein    alter    Sack    (also    ich) junge   Mädchen   in   eindeutige   Posen   fotografierte. Typisch          Mann!          Seitdem          vermeide          ich Dessousfotos   im   Bekanntenkreis   zu   zeigen,   schon gar    nicht    bei    Leuten,    die    einen    versauten    Witz nach     dem     anderen     erzählen.     Da     ist     ja     nichts dabei. Oder? Nackte Soldaten Mit      der      Sandy‘s      Tochter      machte      ich      einige Kindermundfilme.       Ein       zehnjähriges       Mädchen macht      sich      darin      über      die      Erwachsenenwelt lustig.   Dabei   spiele   ich   auch   gern   mit,   da   mir   die Schauspielerei     ein     klein     wenig     im     Blute     liegt. Auch     das     kleine     Mädchen     spielte     oder     tanzte schon    bei    öffentlichen    Auftritten.    Also    drehten wir    „Nackte    Soldaten“,    ein    Kindermundwitz    aus dem Internet. Der Inhalt: Kleines     Mädchen     liest     ein     Geschichtsbuch     und fragt    den    befreundeten    Besuch,    der    sich    nach dem    Inhalt    erkundigt,    ob    die    Soldaten    zur    Zeit Friedrichs   des   II.   nackt   waren.   Auf   die   erstaunte Frage,    wie    sie    darauf    komme,    liest    sie    vor.    „Die Soldaten   zogen   aus,   um   …“   Dem   Besuch   dämmert, das   er   verarscht   wurde.   Das   Video   wurde   auf   dem Kanal    der    jungen    Dame    mit    Einverständnis    der Mutter,      die      im      übrigen      die      Kamera      führte, gestellt. Wir    wunderten    uns,    warum    ausgerechnet    dieses Video     (von     ca.     19)     sehr     viele     Klicks     bekam, führten      es      aber      auf      den      Titel      zurück,      was eigentlich an sich schon Bände spricht. Nun      kam      es      aber,      dass      der      Lebensgefährte seinen      Betrieb      umstrukturieren      musste,      was natürlich      nicht      jedem      passte,      sodaß      einige Dienstleistungen   wegfallen   mussten.   Da   er   selbst keine   Angrifssfläche   bot,   versuchten   einige   Leute eine    ganz    perfide    Tour.    Man    nahm    das    besagte Video    seiner    Lebensgefährtin    und    ihrer    Tochter, um   bei   der   Polizei   und   beim   Jugendamt   vorstellig zu   werden.   Da   wurde   glatt   behauptet,   der   Besuch sei    im    Schlüpfer    herumgelaufen.    Wahr    ist:    ich (der   Besucher)   hatte   eine   kurze   Hose   an,   was   klar als   Jeans   identifiziert   werden   konnte.   Am   Drehtag war    es    schweinewarm    (36    Grad).    Das    Kind    hätte in    Unterwäsche    auf    dem    Bett    gelegen.    Wahr    ist: sie    hatte    luftige    Sommersachen    an    und    auf    dem mit einer Decke überzogenen Bett gelegen. Uns,    insbesondere    der    Mutter,        blieb    die    Luft weg.     Leider     haben     wir     es     zu     spät     erfahren, kennen     auch     die     Namen     der     Verantwortlichen, machen     aber     in     diesem     Fahrwasser     natürlich nicht   mit.   Aber   Tatsache   ist,   das   Menschen   unter dem      Siegel      der      Anonymität      nicht      nur      dem Lebensgefährten        schaden        wollten,        sondern billigend    in    Kauf    nahmen,    ein    Kind    in    Verruf    zu bringen   und   zwei   weitere   Unbeteiligte.   Immerhin bin   ich   Lehrer   und   solche   Behauptungen   können da   ganz   schön   ins   Auge   gehen.   Gott   sei   Dank   war jedem    normal    Sterblichen,    der    dies    Video    sah, sofort    die    Harmlosigkeit    klar.    Und    die    Behörden scheinen das auch so gesehen zu haben. Die Mätresse Da    wir    beide    auch    in    der Hallischen    Hanse    sind,    die Hallische   Hanse-traditionen pflegt,     spielen     wir     in     der Theatergruppe          Quinta-X- Essentia              nicht              nur mittelalterliche             Stücke, sondern machen auch    Fotogeschich-ten    aus dieser     Zeit,     die     wir     ver- öffentlichten.         Eine         der Geschichten         hieß:         Wie Erasmus     zu     einer     Mätresse     kam“,     bei     der     ein Kaufmann    sich    einbildete,    eine    wunderhübsche Magd    kaufen    zu    können    und    zu    seiner    Mätresse zu    machen.    Die    Magd    war    aber    nicht    nur    blond und     hübsch,     sondern     auch     mit     allen     Wassern gewaschen.    Sie    ließ    sich    scheinbar    auf    das    Spiel ein    und    machte    den    Kaufmann    betrunken,    nicht nur    vor    Glück,    sondern    im    wahrsten    Sinne    des Wortes.     Der     Kaufmann     unterschrieb     in     seinem Rausch       einen       Vertrag,       die       der       Magd       die Beteiligung    an    einer    Taverne    und    ein    hübsches Sümmchen    obendrein    bot.    Von    der    „Liebe“    hatte er    aufgrund    seines    Alkoholkonsums    nichts.    Die Geschichte         wurde         im         Mittelalterambiente fotografiert     und     in     Comics     umgewandelt.     Die Bilder     waren     P6     geeignet,     kleine     Kinderchen hätten      vielleicht      die      Geschichte      nicht      ganz verstanden.      Zu      jener      Zeit      hatte            aber      die Hauptdarstellerin     der     Magd     gerade     eine     neue Beziehung    begonnen.    Dafür    wurde    sie    beneidet und      man      brauchte      etwas      zum      Tuscheln.      So fanden     es     einige     angebracht,     doch     bei     ihrer neuen   Beziehung   nachzufragen,   ob   er   den   wüßte, das   sie   mit   noch   Einem   eine   Geschichte   um   eine Mätresse   machte.   Den   Inhalt   musste   man   freilich nicht       lesen,       weiß       man       doch       wie       solche Weibsbilder   sind.   Gott   sei   Dank   konnte   die   neue Beziehung     der     Haupt-darstellerin     darüber     nur lachen.    Wir    wußten    aber    ab    diesem    Zeitpunkt, dass    die    Neider    vor    gar    nichts    zurückschrecken, um   jemanden   bloßzustellen   und   ihnen   die   Folgen mehr      als      nur      egal      sind.      Wir      nannten      die Geschichte   um   in   „Erasmus   und   Betlin“   und   schon war es nicht mehr interessant. Die böse Foto Ich   hatte   mal   wieder   Lust   ein   Foto   besonders   zu bearbeiten    und    mein    Blick    fiel    auf    die    Serie    von Laura,   die   ich   schon   eine   Weile   kannte.   Sie   liebt es,   sich   vor   dem   Fotografen   zu   bewegen   und   sie mag    auch    ausgefallene    Fotos.    Ich    selbst    stehe nicht          besonders          auf          die          ultrascharfen Hochglanzfotos       und       habe       manchmal       meine eigenen    Ansichten    hinsichtlich    der    Fotobearbei- tung. Zwei     Fotos,     durch     Zufall     aufgenommen,     weil Laura     so     agierte,     wie     sie     wollte     und     ich     die Kamera     drauf     hielt,     fand     ich     interessant     und bearbeitet     sie     mit     bestimmten     Farbfilter     und einer    „schmutzigen“    Textur,    sodass    durchaus    ein seltsamer         Eindruck         entstand,         der         auch verschiedene    interpretierbar    war.    Eine    gewisse Bewegungsunschärfe,      ebenfalls      bedingt      durch den   Filter,   fanden   ich   nicht   schlecht.   Dann   dachte ich,       es       mal       in       Facebook       zu       zeigen,       mit „durchschlagendem           Erfolg“.           Die           „Profi“- fotografen      fielen      darüber      her,      fanden      keine Schärfe    im    Bild    und    eine    schlechte    technische Ausführung.    Gut,    das    war    noch    akzeptabel.    Aber es   wurde   ärger,   als   ich   sagte,   das   Model   fand   es eigentlich   „scharf“.   Das   war   in   Anführungsstriche gesetzt       und       eigentlich       ein       Wortspiel       zur kritisierten    Schärfe    des    Bildes.    In    ihrem    Wahn kriegten    die    Profis    dieses    Wortspiel    gar    nicht    so recht   mit.   Einer   war   arrogant   genug,   dies   in   Frage zu    stellen    („da    würde    ich    das    Model    selber    gern fragen“,    der    gute    Mann    hat    nicht    die    geringste Ahnung,     was     er     sich     damit     antun     würde)     und plötzlich   hatte   man   Oberwasser   und   fiel   über   das Bild    gnadenlos    her.    Da    waren    zu    viel    Haare    im Mund,     das     Bild     war     plötzlich     billig,     niemand fragte   nach   dem   warum   und   wieso,   jeder   war   sich nur    der    Scheußlichkeit    des    Bildes    bewusst.    Ich musste    das    weder    mir    noch    dem    Model    antun und     verabschiedete     mich     von     der     Seite.     Zur Ehrenrettung     muss     ich     sagen,     dass     es     in     der Meute    wenigstens    einen    gab,    der    sehr    kritisch war,   aber   Fragen   stellte,   und   damit   war   er   völlig akzeptabel.   Ansichten   sind   nun   mal   verschieden. Und    natürlich    bin    ich    mir    bewusst,    dass    meine Art    zu    fotografieren    und    zu    bearbeiten    sich    von den   meisten   unterscheidet   und   nicht   jedermanns Sache     sind     (und     natürlich     auch     fehlerbehaftet sein   kann).   Gott   sei   Dank   wie   ich   meine.   Kritik   ist willkommen,       wenn       sie       nicht       hässlich       und abwertend wird. Zumindestens      erreichte      ich      das      Credo      eines jeden     Fotografen.     Man     schaute     sich     das     Bild länger an, als die meisten anderen.
Das      böse      Bild,      mit dem     „grün     und     blau geschlagenen      Model“ und     schlechter     tech- nischer Qualität
Die    beiden    Bilder    hab    ich    gar    nicht    gezeigt,    die    wären wohl    gnadenlos    zerissen    worden,    passen    nicht    in    die perfekte    Fotowelt,    zeigen    aber    eigentlich    viel    von    der Seele de Models.
Tote Menschen